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Wie lauten die Bedingungen für eine scharii’ah-konforme Schlachtung?


Frage:

Wie lauten die Bedingungen für eine scharii’ah-konforme Schlachtung?

Antwort:

Mit dem Namen ALLAAHs, Des Gnadenden, Des Allgnädigen!
Alles Lob gebührt ALLAAH, Dem wahren Herrn und Schöpfer! Seine Gnade und Sein Frieden mögen dem Gesandten Muhammad zuteilwerden, dem Gesandten der Milde und der Barmherzigkeit zu allen Geschöpfen.

Die Bedingungen für eine scharii’ah-konforme Schlachtung sind Folgende:

  • Die o. g. scharii’ah-konforme Schlachtung darf nur von einem zurechnungsfähigen bekennenden Muslim, Juden oder Christen durchgeführt werden.

إِلَّا مَا ذَكَّيۡتُمۡ

(…) außer dem, was ihr (noch vor dem Tod) durch Schächten gereinigt habt. (Quraan 5:3)

Mit “ihr” sind hier die Muslime angesprochen.

ٱلۡيَوۡمَ أُحِلَّ لَكُمُ ٱلطَّيِّبَٰتُۖ وَطَعَامُ ٱلَّذِينَ أُوتُواْ ٱلۡكِتَٰبَ حِلّٞ لَّكُمۡ وَطَعَامُكُمۡ حِلّٞ لَّهُمۡۖ

An diesem Tag wurden euch die guten Speisen 1 für erlaubt erklärt. Auch die Speisen derjenigen, denen die Schrift zuteil wurde, gelten für euch als erlaubt; ebenfalls gelten eure Speisen für sie als erlaubt. (Quraan 5:5)

In diesem Kontext ist mit “Speisen” das Fleisch der geschächteten Tiere gemeint.

  • Die Schlachtung darf nur unter Anrufung ALLAAHs oder mit einem Seiner Namen erfolgen. Erfolgt die Schlachtung nicht unter Anrufung ALLAAHs gilt das Fleisch als haraam. Imaam Maalik verlangt dazu das Aussprechen von Basmalah (bismil-laahir-rahmaanir-rahiim). Imaam Abu-haniifah gibt das Fleisch nur dann frei, wenn die Basmalah vergessen und nicht vorsätzlich unterlassen wurde.

حُرِّمَتۡ عَلَيۡكُمُ وَمَآ أُهِلَّ لِغَيۡرِ ٱللَّهِ بِهِۦ

(Für haraam wurde euch erklärt) (…), das, was für andere als ALLAAH geschächtet wurde. (Quraan 5:3)

Werden diese beiden Voraussetzungen erfüllt, gilt das Fleisch als halaal, unabhängig davon, ob die Schlachtung von einem Mann oder einer Frau ausgeführt wurde.

  • Bedingungen für das Schlachttier
    Die Schlachtung muss zu Lebzeiten des Tieres erfolgen, d. h. das Tier muss nachweislich noch leben. Wenn das Tier vor der Schlachtung verendet, auch wenn es nur wenige Sekunden sind, dann gilt seine Schlachtung nicht mehr als Tadh-kiyah. Das anschließende Ausbluten des Tieres gilt nicht als Lebenszeichen und rechtfertigt keineswegs die Gültigkeit des Schächtens als islam- und scharii’ah-konform.
  • Mindestens drei der vier Teile (Speise- und Luftröhre und zwei Halsschlagadern) müssen nach Imaam Abu-haniifah durchtrennt werden. Nach Imaam Asch-schaafi’iy und Imaam Ahmad müssen mindestens die ersten beiden durchtrennt werden. Imaam Maalik verlangt mindestens die Durchtrennung der Speiseröhre und der beiden Schlagadern.
  • die Schlachtung muss schnell und zügig erfolgen und das Schlachtinstrument muss ein scharfer Gegenstand sein.

 

Bemerkung:
Fleisch- und Wurstwaren, die nicht von einer akkreditierten Halaal-Zertifizierungsstelle halaal-zertifiziert wurden, sind für Muslime nicht geeignet!

Die meisten Firmen, die Fleisch- und Wurstprodukte mit einem Halaal-Logo anbieten (meist steht auf der Verpackung Halal bzw. Helal) sind nicht zertifiziert. Viele dieser Firmen lassen ihre angeblichen Halal-Produkte in Lohnauftrag bei nicht-muslimischen Fleisch- und Wurstproduzenten produzieren und zwar auf den gleichen Produktionsanlagen auf denen (vorher und nachher) Schweineprodukte und Fleischprodukte von nicht halaal-geschächteten Tieren produziert werden.

Fatwas, die das in Europa produzierte Fleisch für halaal mit der Begründung erklären, dass die Europäer zu den so genannten Ahlul-kitaab “Leuten der Schrift” gehören, argumentieren völlig realitätsfern und ihre Beweise können selbst einer einfachen Überprüfung nicht standhalten.

So hat z. B. eine Studie des österreichischen Meinungsforschungsinstituts IMAS 2 ergeben, dass nur etwa 47% der Menschen in Österreich an Gott glauben, obwohl 67% der Gesamtbevölkerung noch Mitglieder der katholischen Kirche sind. Nur 36% empfinden Weihnachten in erster Linie als religiöses Fest, bei Ostern sind es 43%. Nur 34% glauben an ein Leben nach dem Tod und nur 19% glauben daran, dass das Leben auf Erden nach einem schöpferischen Plan entstanden ist. An die Existenz der Hölle glauben nur 15%. Ähnliche Werte als Indiz einer mehrheitlich atheistischen und nicht christlichen Grundhaltung sind mit steigender Tendenz in allen anderen europäischen Ländern zu finden.

Das bedeutet für die übliche Schächtung, dass auch die Schlachter in den europäischen Schlachthöfen in ihrer Mehrheit nicht (mehr) zu Ahlul-kitaab gehören. Damit entfällt eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine islam-konforme Schlachtung. Hinzu kommt, dass bei maschineller Schlachtung nicht sicher festgestellt werden kann, ob die Tiere (besonders bei Hühnern) bereits durch die Betäubung oder durch das Schlachtwerkzeug getötet wurden. Bei Hühnern wird zudem nicht immer die vorgesehene Schnittstelle am Hals getroffen, da Hühnerhälse keine Normlänge haben. All diese Aspekte sprechen klar gegen eine pauschale Anerkennung der in Europa üblichen Schlachtung als islam-konform.

Und ALLAAH weiß es am besten!

Fatwa-Kommission islam-wissen.com

Notes:

  1. Hier sind die Speisen gemeint, die für Muslime als halaal gelten. Manche Quraan-Exegeten verstehen darunter insbesondere das Fleisch von Tieren, die durch Schriftbesitzer (Juden und Christen) geschächtet werden.
  2. Siehe dazu IMAS-Report Nr. 7, April 2009