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Ist die Adoption im Islam erlaubt?


Frage:

Ist die Adoption im Islam erlaubt?

Antwort:

Mit dem Namen ALLAAHs, Des Gnadenden, Des Allgnädigen!
Alles Lob gebührt ALLAAH, Dem wahren Herrn und Schöpfer! Seine Gnade und Sein Frieden mögen dem Gesandten Muhammad zuteilwerden, dem Gesandten der Milde und der Barmherzigkeit zu allen Geschöpfen.

Ebenso wie die Scharii’ah die blutsverwandtschaftliche Familienbeziehung schützt und würdigt, verurteilt sie aufs Schärfste Personen, die diese Institution missbrauchen und ein neues (illegitimes) Mitglied widerrechtlich in die Familie einschleusen, um sich oder anderen Vorteile zu erschleichen, oder um einem legitimen Mitglied den Zugang zu verwehren.

Die Scharii’ah verbot zudem den vorislamischen Brauch der Adoption als Mittel zur Herstellung eines künstlichen Familienbandes.

Auch der Gesandte (sallal-laahu ‘alaihi wa sallam) hatte vor der Zeit seiner Sendung Zaid Bnu-haarithah adoptiert. Zur damaligen Zeit rief man das adoptierte Kind Zaid Bnu-muhammad, Zaid Muhammads Sohn. Mit der Hinabsendung der Aayah (33:5) wurde die Rechtmäßigkeit derartiger Adoption endgültig aufgehoben:

ٱدۡعُوهُمۡ لِأٓبَآئِهِمۡ هُوَ أَقۡسَطُ عِندَ ٱللَّهِۚ فَإِن لَّمۡ تَعۡلَمُوٓاْ ءَابَآءَهُمۡ فَإِخۡوَٰنُكُمۡ فِي ٱلدِّينِ وَمَوَٰلِيكُمۡۚ وَلَيۡسَ عَلَيۡكُمۡ جُنَاحٞ فِيمَآ أَخۡطَأۡتُم بِهِۦ وَلَٰكِن مَّا تَعَمَّدَتۡ قُلُوبُكُمۡۚ وَكَانَ ٱللَّهُ غَفُورٗا رَّحِيمًا ٥

Nennt sie nach ihren leiblichen Vätern! Dies ist gerechter vor ALLAAH. Solltet ihr für sie keine Väter kennen, so sind sie eure Brüder im Islam und eure Verbündeten. Euch trifft keine Verfehlung in dem, wo ihr Fehler schon gemacht habt, sondern nur da, wo eure Herzen es beabsichtigt haben. ALLAAH ist immer allvergebend, allgnädig. (Quraan 33:5)

Im Umkehrschluss ist es ab diesem Zeitpunkt auch verboten, ein fremdes Kind als sein Eigenes zu bezeichnen. Daraus ist jedoch nicht das Verbot abzuleiten, ein fremdes Kind in die eigene Familie aufzunehmen, es wie ein eigenes Kind zu pflegen und zu behüten, es großzuziehen, ihm die beste Erziehung zuteil werden zu lassen und ihm eine fundierte, umfassende Bildung und Ausbildung zu ermöglichen. Dieses Verhalten wird von der Scharii’ah nicht nur explizit bejaht, sondern gewünscht und gefördert. Allerdings entstehen aus diesem Pflegschaftsverhältnis keinerlei Abstammungsfolgen wie beispielsweise die Geltendmachung eines Erbschaftsanspruches, da die Voraussetzungen einer islam-konformen Familienzugehörigkeit nicht gegeben sind.

Die Scharii’ah erkennt eine Familienzugehörigkeit nur durch eine islam-konforme Ehe und eine wahre Abstammung von einem männlichen Aszendenten an.

Im Unterschied hierzu kannte man in vorislamischer Zeit zur Herstellung von Verwandtschaftsbeziehungen neben Ehe und Abstammung noch die Adoption (Tabanniy تبني) und die willkürliche Zurechnung eines Kindes zu einem anderen Mann als dem biologischen Erzeuger.

Wie oben erwähnt, wurde die Zulässigkeit der Adoption durch die Aayah (33:5) aufgehoben. Die Zurechnung eines Kindes zu seinem Erzeuger wurde durch die Einführung einer festgelegten Eheauflösungsfrist (‘Iddah) für die geschiedene Frau und die Witwe sichergestellt.

Und ALLAAH weiß es am Besten!

Fatwa-Kommission islam-wissen.com