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Die Pflicht- und Sunnahteile des rituellen Gebets nach der maalikitischen Fiqh-Schule



Frage:

Was sind die Pflicht- und Sunnahteile des rituellen Gebets nach der maalikitischen Fiqh-Schule?

 

Antwort:

Mit dem Namen ALLAAHs, Des Gnadenden, Des Allgnädigen!
Alles Lob gebührt ALLAAH, Dem wahren Herrn und Schöpfer! Seine Gnade und Sein Frieden mögen dem Gesandten Muhammad zuteilwerden, dem Gesandten der Milde und der Barmherzigkeit zu allen Geschöpfen.

Die Pflichtteile des rituellen Gebets nach der maalikitischen Fiqh-Schule sind:

1.) Das Fassen der Absicht
Zu Beginn des rituellen Gebets fasst man die Absicht, ein bestimmtes rituelles Gebet zu verrichten. Die Absicht muss nicht durch Worte ausgesprochen werden, sie kann auch in Gedanken gefasst werden. Grundlage hierfür ist der Hadiith, nach dem die Taten nur nach den Absichten beurteilt werden.

2.) Sprechen von “al-laahu akbar الله أكبر” zu Beginn des Gebets
Diese Handlung heißt “takbiiratul-ihraam تكبيرة الإحرام“.

3.) Das Rezitieren des “takbiiratul-ihraams” im Stehen (al-qiyaam القيام) für jeden, der dazu in der Lage ist.

4.) Rezitation der Suurah “Al-faatihah الفاتحة
Diese erste Suurah des Quraan muss in jeder Gebetseinheit (Rak’ah ركعة) rezitiert werden. Man rezitiert sie so laut, dass man sich dabei hört.

5.) Die Rezitation von Suurah Al-faatihah im Stehen (al-qiyaam القيام) für jeden, der dazu in der Lage ist.

6.) Die Verbeugung (ar-rukuu’ الركوع)
Man beugt seinen Körper soweit nach vorn, bis der Rücken in waagerechter Position parallel zum Boden ist und stützt dabei die Hände auf die Knie. Man soll seinen Körper in dieser Stellung zur Ruhe kommen lassen (itmi’naan إطمئنان) und sich erst danach wieder aufrichten. Itmi’naan ist ein Pflichtteil in allen Arkaan nach Imaam Maalik.

7.) Das Aufrichten des Körpers nach der Verbeugung (ar-raf’ الرفع)
Auch in dieser Stellung soll der Körper erst zur Ruhe kommen, dann erfolgt die nächste Stellung.

8.) Die Niederwerfung (as-sudschuud السجود)
Sie wird zweimal in jeder Gebetseinheit mit einem Sitzen dazwischen durchgeführt. Bei sudschuud müssen Gesicht (mit Nase und Stirn), Hände, Knie und Zehen den festen Boden berühren. Der Körper muss in dieser Stellung auch zur Ruhe kommen.

9.) Das Aufrichten des Körpers nach der Niederwerfung (ar-raf’ الرفع)

10.) Das Sitzen für die Dauer, wobei es möglich ist, dass rituelle Gebet mit “As-salaamu alaikum” zu beenden. (Nach Imaam Maalik ist At-taschah-hud eine Sunnah– und keine PflichtHandlung!)

11.) Der Gruß (as-salaam السلام)
Dies ist die letzte Handlung, mit der man das rituelle Gebet beendet. Nach der maalikitischen Fiqh-Schule ist jedoch nur der erste Salaam zur rechten Seite eine fard-Handlung.

Die Salaam-Grußformeln nach der maalikitischen Fiqh-Schule sind:

a.) As-salaamu ´alaikum

b.) As-salaamu ´alaikum wa rahmatul-laah

c.) As-salaamu ´alaikum wa rahmatul-laah wa barakaatuh

12.) (itmi’naan إطمئنان)
Man soll seinen Körper in dieser Stellung zur Ruhe kommen lassen (itmi’naan إطمئنان) und sich erst danach wieder aufrichten. Itmi’naan ist ein Pflichtteil in allen Arkaan nach Imaam Maalik.

13.) Al-i´tidaal
Das Zurückführen der Körpergliedmaßen in ihre Ausgangspositionen.

14.) At-tartiib
Die Einhaltung der vorher erwähnten Reihenfolge.

 

Die Sunnah-Teile des rituellen Gebets nach der maalikitischen Fiqh-Schule sind:

In der maalikitischen Fiqh-Schule werden die Sunnah-Teile des rituellen Gebets in zwei Kategorien aufgeteilt:

a.) Die Sunnah-Teile des Pflichtgebets

b.) Die Sunnah-Teile der Pflicht- und Freiwilligen-Nafl-Gebete

 

a.) Die Sunnah-Teile des Pflichtgebets

1.) Das Rezitieren eines weiteren Quraantextes nach Al-faatihah bei den ersten zwei Rak’ah (bei der dritten und vierten Rak’ah fällt dieser Punkt weg).

2.) Die Rezitation eines weiteren Quraantextes nach Al-faatihah im Stehen (al-qiyaam القيام) für jeden, der dazu in der Lage ist.

3.) Die hörbare Rezitation der Quraantexte beim Verrichten des rituellen Frühgebets, Freitaggebets und in den ersten zwei Gebetseinheiten des rituellen Abend- und Nachtgebets.

4.) Die nicht-hörbare Rezitation der Quraantexte beim Verrichten des rituellen Mittagsgebets, Nachmittagsgebets und in der letzten Gebetseinheit des rituellen Abendsgebets, sowie in den letzten beiden Gebetseinheiten des rituellen Nachtgebets.

 

b.) Die Sunnah-Teile der Pflicht- und Freiwilligen-Nafl-Gebete

1.) At-takbiir (التكبير)
Das Aussprechen von “al-laahu akbar” bei der Verbeugung (Rukuu’), beim Sichaufrichten (Raf’), bei der Niederwerfung (Sudschuud) und beim Sitzen (Qu’uud), also bei jeder Positionsveränderung.

2.) Die Anrufung Allaahs beim Aufrichten (Raf’) aus der Verbeugung (Rukuu’)
Als Imaam sagt man:

سَمِعَ اللَّهُ لِمَنْ حَمِدَهُ

sami’al-laahu liman hamidah

“Allaah hört denjenigen, der Ihn lobpreist!” (B, M)

 

Nachdem man sich aufgerichtet hat, rezitiert man als Mitbetender:

رَبَّنَا وَلَكَ الْحَمْدُ

rab-bana walakal-hamd

“Unser Herr, Dir allein gebührt Lobpreisung!” (B, M)

 

Als einzelner Betender rezitiert man beim Aufrichten (Raf’) aus der Verbeugung (Rukuu’):

سَمِعَ اللَّهُ لِمَنْ حَمِدَهُ، اللَّهُمَّ رَبَّنَا وَلَكَ الْحَمْدُ

sami’al-laahu liman hamidah, al-laahum-ma rab-bana walakal-hamd

“Allaah hört denjenigen, der Ihn lobpreist. Allaah, unser Herr, Dir allein gebührt Lobpreisung!” (B, M, I)

 

3.) Die Rezitation von at-taschah-hud (die verbale Bezeugung) beim ersten und letzten Sitzen ist eine Sunnah-Handlung nach Imaam Maalik:

التَّحِيَّاتُ لِلَّهِ وَالصَّلَوَاتُ وَالطَّيِّبَاتُ. السَّلَامُ عَلَيْكَ أَيُّهَا النَّبِيُّ وَرَحْمَةُ اللَّهِ وَبَرَكَاتُهُ. السَّلَامُ عَلَيْنَا وَعَلَى عِبَادِ اللَّهِ الصَّالِحِينَ. أَشْهَدُ أَنْ لَا إِلَهَ إِلَّا اللَّهُ وَأَشْهَدُ أَنَّ مُحَمَّدًا عَبْدُهُ وَرَسُولُهُ.

at-tahiy-yaatu lil-laahi wassalaawaatu wattay-yibaat. as-salaamu ‘alaika ay-yuhan-nabiy-yu wa rahmatul-laahi wa barakaatuh. as-salaamu ‘alaina wa ‘ala ‘ibaadil-laahissaalihiin. asch-hadu anla ilaaha il-lal-laah. wa asch-hadu an-na muham-madan ‘abduhu wa-rasuuluh.

“Die Grüße sind Allaahs, auch die Gebete und alles Gute. Friede sei mit dir o Prophet, sowie die Gnade Allaahs und Sein Segen. Friede sei mit uns und den gottgefällig gut handelnden Anbetern Allaahs. Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Allaah gibt, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist.” (B)

4.) Das Sitzen für at-taschah-hud
Bei diesem Sitzen wird der at-taschah-hud التشهد rezitiert.

5.) Die Rezitation der Bittgebete für die Gesandten Muhammad und Ibraahiim (assalaawaatul-ibraahiimiy-yah الصلوات الإبراهيمية) nach der Rezitation des at-taschah-hud beim letzten Sitzen (al-qu’uudul-achiir القعود الأخير)

اللَّهُمَّ صَلِّ عَلَى مُحَمَّدٍ وَعَلَى آلِ مُحَمَّدٍ كَمَا صَلَّيْتَ عَلَى آلِ إِبْرَاهِيمَ وَبَارِكْ عَلَى مُحَمَّدٍ وَعَلَى آلِ مُحَمَّدٍ كَمَا بَارَكْتَ عَلَى آلِ إِبْرَاهِيمَ فِي الْعَالَمِينَ إِنَّكَ حَمِيدٌ مَجِيدٌ.

al-laahum-ma sal-li ‘ala muham-madin wa ‘ala aali muham-madin kama sal-laita ‘ala aali ibraahiim. wa baarik ‘ala muham-madin wa ‘ala aali muham-madin kama baarakta ‘ala aali ibraahiima fil-‘aalamiina in-naka haamiidun madschiid.

“Allaah! Gewähre Muhammad und seiner Familie Deine Gnade, wie Du Deine Gnade Ibraahiim und der Familie Ibraahiims gewährt hast, und gewähre Muhammad und seiner Familie Deine Barakah, wie Du Ibraahiim und der Familie Ibraahiims unter den Geschöpfen Deine Barakah gewährt hast. Du bist der Gepriesene, der absolut Erhabene!” (B)

6.) Bei sudschuud müssen Gesicht (mit Nase und Stirn), Hände, Knie und Zehen den festen Boden berühren.

7. & 8.) Das Erwidern des Salaams des Imaams seitens des Mitbetenden, in dem der Mitbetende As-salaamu ´alaikum in Richtung der Qiblah nicht hörbar rezitiert; und das Erwidern des Salaams des Mitbetenden zu seiner linken Seite, in dem er As-salaamu ´alaikum nicht hörbar rezitiert.

9.) Das aufmerksame Zuhören des Mitbetenden zu der Rezitation des Imaams

10.) Das Verlängern der rituellen Verbeugung, Niederwerfung etc.

Und ALLAAH weiß es am besten!

Fatwa-Kommission Islam-Wissen.Com