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Darf eine muslimische Frau einen Juden oder Christen heiraten?


Frage:

Eine Freundin von mir (Muslima) möchte einen nicht-Mmslimischen Mann (gläubiger Christ, der ihre Religion respektiert und ihre alle Freiheiten einräumt) heiraten. Sie sagt, dass es Gelehrte gibt, welche die Meinung vertreten, dass dies möglich ist. Gibt es tatsächlich eine islamisch korrekte Art, diese Art von Meinung herzuleiten? Außerdem: Warum dürfen muslimische Frauen keinen gläubigen Christen/Juden heiraten, obwohl dies für die Männer erlaubt ist? Gibt es eine andere Begründung als: Weil der Mann die Religion an die Kinder weitergibt und für die Frau die Ausübung ihrer Religion gewährleistet ist? (Im Falle meiner Freundin trifft diese Argumentation nämlich nicht zu; ihr Verlobter hat keinerlei Einwände dagegen, dass seine Kinder Muslime werden.)

Antwort:

Mit dem Namen ALLAAHs, Des Gnadenden, Des Allgnädigen!
Alles Lob gebührt ALLAAH, Dem wahren Herrn und Schöpfer! Seine Gnade und Sein Frieden mögen dem Gesandten Muhammad zuteilwerden, dem Gesandten der Milde und der Barmherzigkeit zu allen Geschöpfen.

Bezüglich der Eheschließung einer Muslimah mit einem Nicht-Muslim sind sich alle Gelehrten aller Fiqh-Schulen einig, dass dies haraam ist und einer Zina-Beziehung gleichkommt. Folgende Aayah drückt dieses Verbot aus:

وَلَن يَجۡعَلَ ٱللَّهُ لِلۡكَٰفِرِينَ عَلَى ٱلۡمُؤۡمِنِينَ سَبِيلًا

Allaah wird den Leugnern gegen die Iimaan-Bekennenden keine (wirkliche) Möglichkeit geben. (Quraan 4:141)

Als generelles Verbot wird diese Aayah auf alle Lebensabereiche übertragen, somit auch auf die Eheschließung eines Nicht-Muslims mit einer Muslimah.

Als Grund, weshalb einer muslimischen Frau untersagt ist, einen Mann aus den Reihen der Schriftbesitzer zu heiraten, argumentieren die Fiqh-Gelehrten, dass der muslimische Ehemann als Oberhaupt der Familie die Gesamtverantwortung für Ehefrau und Kinder trägt und somit auch die islamische Erziehung der Kinder grundsätzlich gesichert ist. Außerdem gebietet der Islam dem Ehemann, die Glaubensüberzeugungen seiner nicht-muslimischen Ehefrau und ihre Frömmigkeit zu respektieren und diese nicht anzugreifen. Als Muslim verinnerlicht der Ehemann auch den Iimaan an die entsandten Propheten Muusa und ‘Iisa (‘alaihimus-salaam) und wird sich über diese niemals abfällig äußern. Im umgekehrten Falle, wenn der Ehemann aus den Reihen der Schrift-besitzer kommt, trifft dies alles nicht zu. Juden und Christen verleugnen den Gesandten Muhammad (sallal-laahu ‘alaihi wa sallam) als den Gesandten Gottes und sie haben nicht die religiöse Pflicht, die Iimaan-Inhalte ihrer muslimischen Ehefrau und ihre Frömmigkeit zu respektieren, diese nicht anzugreifen und ihr eine islam-konforme Lebensweise zu garantieren. Hier sind weder Respekt noch Toleranz gewährleistet, sondern eher das Gegenteil. So gibt es klare Forderungen z. B. der katholischen Kirche, welche die nicht-getauften Partner in Mischehen zu Handlungen verpflichtet, um das Katholische in der Ehe abzusichern. Damit hat die muslimische Ehefrau kein Bestimmungsrecht über die Erziehung der gemeinsamen Kinder. Dies gefährdet ihre eigene Religiosität und die islamische Erziehung ihrer Kinder.

Bemerkung:

Im „Codex des Kanonischen Rechtes“ vom 25. Januar 1983, Titel VII Ehe (Cann. 1055 – 1165), Kapitel VI Mischehen, steht Folgendes: Can. 1124 – Die Eheschließung zwischen zwei Getauften, von denen der eine in der katholischen Kirche getauft oder nach der Taufe in sie aufgenommen worden ist und nicht durch einen formalen Akt von ihr abgefallen ist, der andere Partner aber einer Kirche oder kirchlichen Gemeinschaft zugezählt wird, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche steht, ist ohne ausdrückliche Erlaubnis der zuständigen Autorität verboten. Can. 1125 – Eine solche Erlaubnis kann der Ortsordinarius gewähren, wenn ein gerechter und vernünftiger Grund vorliegt; er darf sie nur erteilen, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind: 1° der katholische Partner hat sich bereitzuerklären, Gefahren des Glaubensabfalls zu beseitigen, und er hat das aufrichtige Versprechen abzugeben, nach Kräften alles zu tun, daß alle seine Kinder in der katholischen Kirche getauft und erzogen werden; 2° von diesen Versprechen, die der katholische Partner abgeben muß, ist der andere Partner rechtzeitig zu unterrichten, so daß feststeht, daß er wirklich um das Versprechen und die Verpflichtung des katholischen Partners weiß; 3° beiden Partnern sind die Zwecke und die Wesenseigenschaften der Ehe darzulegen, die von keinem der beiden Eheschließenden ausgeschlossen werden dürfen.
(http://www.vatican.va/archive/DEU0036/_INDEX.HTM, 13.10.09).

Und ALLAAH weiß es am Besten!

Fatwa- Kommission islam-wissen.com